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Scheingeschäfte haben Steinhoff 6,5 Mrd € eingebracht

18.03.2019 − 

Das mit der Untersuchung von Unregelmäßigkeiten in den Bilanzen der Steinhoff International Holdings beauftragte Wirtschaftsprüfungsunternehmen PwC hat vor Kurzem seine Ergebnisse in einem mehr als 3.000 Seiten umfassenden Bericht mit über 4.000 Dokumenten und Anhängen vorgelegt. Laut einer am 15. März von Steinhoff veröffentlichten Übersicht über die wichtigsten Erkenntnisse wurde zwischen den Geschäftsjahren 2008/2009 und 2016/2017 ein irregulärer Ertrag in Höhe von insgesamt 6,507 Mrd € verbucht, wobei die höchsten Beträge in den Geschäftsjahren 2014/2015 (1,024 Mrd €) und 2015/2016 (1,351 Mrd €) verzeichnet wurden. Laut dem PwC-Bericht hat eine kleine Gruppe ehemaliger Steinhoff-Führungskräfte und außenstehender Personen, geführt von einem Steinhoff-Vorstandsmitglied, zwischen 2008 und 2017 verschiedene Transaktionen umgesetzt, die zu einer Überbewertung von Vermögenswerten sowie höheren Gewinnen geführt haben, als tatsächlich erwirtschaftet wurden. Die Transaktionspartner waren scheinbar von Steinhoff unabhängige Gesellschaften. Laut PwC gibt es allerdings Hinweise darauf, dass die externen Unternehmen von den bereits genannten Personengruppen kontrolliert wurden. Mit der Campion/Fulcrum Group, der Talgarth Group und der TG Group konnten bislang drei hautpsächlich involvierte Firmen identifziert werden, deren Besitzverhältnisse allerdings zum Teil noch unklar sind.

Die über Scheingeschäfte zwischen verschiedenen Steinhoff-Holdinggesellschaften und externen Unternehmen generierten Erträge wurden unrentablen operativen Steinhoff-Gesellschaften als Zuwendungen, sogenannte „Contributions“, zugeordnet. Die Zuwendungen sind in unterschiedlicher Form erfolgt und haben den Gewinn der operativen Gesellschaften entweder erhöht oder deren Kosten geschmälert. PwC hat in seinem Bericht vier Arten von irregulären Transaktionen identifiziert: die Generierung von Gewinnen und Vermögenswerten, die Überbewertung von Assets und deren Reklassifizierung, auf der Überbewertung von Assets basierende Transaktionen sowie Zuwendungen.

Steinhoff ist derzeit noch dabei, das volle finanzielle Ausmaß dieser rechtswidrigen Praktiken zu bestimmen. Außerdem entwickelt der Konzern aktuell einen Sanierungsplan, der neben der Behebung der Bilanzunregelmäßigkeiten, die Verbesserung von Kontrollmechanismen im gesamten Konzern, sowie die Anklageerhebung gegen die Schuldigen beinhaltet. Die Anklage soll unter anderem mit dem Ziel erfolgen, dass sämtliche von Dritten gegenüber Steinhoff vorgebrachte Schadenersatzforderungen von den Schuldigen bezahlt werden.

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