Deutliche Abschwächung der Möbelkonjunktur schlägt sich jetzt auch in Statistiken nieder

Nachfragerückgang wird durch zu hohe Fertigwarenlager noch verstärkt

Der in Teilbereichen bereits seit dem zweiten Quartal 2022 anhaltende Rückgang der Möbelnachfrage und die daraus resultierende Verschlechterung der Kapazitätsauslastung bremst die Geschäftsentwicklung in der deutschen Möbelindustrie immer stärker ab. Der Auftragseingang hat laut den internen Erhebungen der Herforder Fachverbände Verband der Deutschen Küchenmöbelindustrie (VdDK), Verband der Deutschen Polstermöbelindustrie (VdDP) und Verband der Deutschen Wohnmöbelindustrie (VdDW) bereits in den vergangenen Monaten immer stärker nachgegeben. Im Juli ist es in mehreren Segmenten, insbesondere bei Wohn- und Polstermöbeln, zu deutlich zweistelligen Rückgängen gegenüber dem Vorjahreszeitraum gekommen. Im Inland sind die Einbußen fast doppelt so hoch ausgefallen wie im Export. Andere Bereiche, wie zum Beispiel die Küchen- und die Büromöbelindustrie, haben sich noch etwas besser gehalten. Die Auftragseingänge liegen aber auch dort seit Juli unter den Vorjahreswerten, mit vergleichbaren Rückgängen im In- und Ausland.
Die bislang bis Juni vorliegende Umsatzstatistik des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie (VDM), Bad Honnef, weist zwar noch immer einen Anstieg aus. Nach zumeist zweistelligen Zuwächsen in den vorangegangenen Monaten hat der Gesamtumsatz im Juni aber nur noch um 4,3 % zugelegt; kumuliert über das gesamte erste Halbjahr hat sich ein Anstieg von 13,4 % ergeben. In beiden Fällen haben sich Inlandsgeschäft und Export fast parallel entwickelt. Das damit erreichte Niveau wird sich in der zweiten Jahreshälfte aufgrund der weiter voranschreitenden konjunkturellen Eintrübung im Wohnungsneubau und im Einrichtungsbereich nicht halten lassen. Mit der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen hat der VDM daher die Umsatzprognose für das Gesamtjahr von zuvor +10 % auf +6-8 % zurückgenommen. Das Wachstum wird dabei wohl ausschließlich über die zum Ausgleich der Kostensteigerungen umgesetzten Preisanhebungen erreicht; mengenmäßig rechnet der Verband dagegen mit einem leichten Rückgang (s. gesonderter Bericht).
Einzelne Unternehmen aus der Möbel- und Zulieferbranche halten im zweiten Halbjahr allerdings noch stärkere Auftrags- und Umsatzeinbußen für möglich, die dann auch die Zahlen für das Gesamtjahr in Mitleidenschaft ziehen würden. Als Begründung wird der starke Nachfragerückgang im zweiten Quartal angeführt, der sich in der Ferienzeit eher noch verstärkt hat. Zunächst war vor allem der Preiseinstiegsbereich mit Mitnahmemöbeln sowie einfachen Wohn- und Küchenmöbeln betroffen. Mit der bereits seit einiger Zeit stark rückläufigen Kundenfrequenz im großflächigen Möbelhandel ist der Auftragseingang in diesen Segmenten stark zurückgegangen. Die daraus resultierenden Auslastungsprobleme in der Möbelindustrie werden durch die im vergangenen Jahr und zum Teil bis ins erste Quartal aufgebauten Fertigwarenlager noch verstärkt. Die meisten Unternehmen bemühen sich derzeit um einen Abbau dieser Lagerbestände. Dieser Lagerabbau gilt auch als Hauptgrund für die im Juni eingetretene Trendwende in der Ikea Supply Chain. Ikea hatte bis ins zweite Quartal hinein noch relativ große Aufträge bei seinen Möbellieferanten platziert. Ab Mai wurden die Bestellungen deutlich zurückgefahren, um die in Zwischenlagern und den Ikea-Märkten zur Absicherung der Versorgung vorgehaltenen Lagerbestände zu reduzieren.
In anderen Marktsegmenten, wie zum Beispiel bei Küchen- und Büromöbeln, spielen Lagerbestandsveränderungen bei Fertigprodukten nur eine untergeordnete Rolle. Die auf den Fachhandel ausgerichteten Küchenmöbelhersteller haben stattdessen von einem Sondereffekt durch die für neue Aufträge ab Mai oder Juni durchgesetzten Preisanhebungen profitiert. Mit den zuvor platzierten Bestellungen haben sich die Auftragsbestände bei den meisten Herstellern auf einem relativ hohen Niveau gehalten, das die Auslastung über die Sommermonate sichern soll. Im zweiten Halbjahr zeichnet sich aber auch in der Küchenmöbelindustrie eine Abschwächung der Nachfrage ab....

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